Ursachen von Geruchsproblemen in Pumpwerken – Warum unangenehme Gerüche entstehen und wie sie sich vermeiden lassen
Geruchsprobleme in Pumpwerken sind weit mehr als nur eine Belästigung. Sie führen häufig zu Beschwerden von Anwohnern, erschweren die Arbeit des Betriebspersonals und sind oft ein deutliches Warnsignal für ungünstige Betriebsbedingungen im gesamten Abwasserfördersystem.
In vielen Fällen werden Gerüche erst dann wahrgenommen, wenn bereits hohe Konzentrationen von Schwefelwasserstoff (H₂S) entstanden sind. Zu diesem Zeitpunkt können neben der Geruchsbelästigung bereits Korrosionsschäden an Bauwerken und technischen Anlagen auftreten.
Die gute Nachricht: Die meisten Geruchsprobleme lassen sich durch eine systematische Ursachenanalyse dauerhaft reduzieren oder sogar vollständig vermeiden.
Warum entstehen Gerüche überhaupt?
Frisches kommunales Abwasser riecht normalerweise nur schwach. Kritisch wird es erst, wenn das Abwasser über längere Zeit unter Sauerstoffmangel steht. Unter diesen anaeroben Bedingungen bauen bestimmte Bakterien organische Stoffe ab und nutzen Sulfat als Sauerstoffersatz. Dabei entsteht Schwefelwasserstoff (H₂S) – ein Gas, das bereits in sehr geringen Konzentrationen durch seinen typischen Geruch nach faulen Eiern wahrgenommen wird. Gelangen diese Gase in Pumpwerke oder Schächte, entstehen die bekannten Geruchsprobleme.
Die häufigsten Ursachen von Geruchsproblemen
1. Lange Aufenthaltszeiten des Abwassers
Je länger Abwasser in einer Druckrohrleitung oder einem Pumpensumpf verbleibt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich anaerobe Bedingungen entwickeln.
Besonders kritisch sind:
Die Aufenthaltszeit zählt zu den wichtigsten Einflussgrößen für die Geruchsbildung.
2. Sauerstoffmangel
Sobald der im Abwasser vorhandene Sauerstoff verbraucht ist, beginnen anaerobe Prozesse.Begünstigt wird dies durch:
Ohne Sauerstoff steigt die Bildung von Schwefelwasserstoff kontinuierlich an.
3. Ablagerungen in Druckrohrleitungen
Sedimente und Schlammablagerungen bilden ideale Lebensräume für sulfatreduzierende Bakterien. Diese Bereiche werden häufig unterschätzt, da sie von außen nicht sichtbar sind.
Die Folgen:
Regelmäßige Zustandsanalysen helfen, solche Ablagerungen frühzeitig zu erkennen.
4. Hohe Temperaturen
Mit steigender Temperatur laufen biologische Prozesse deutlich schneller ab. Gerade in den Sommermonaten nimmt die Schwefelwasserstoffbildung häufig erheblich zu. Bereits wenige Grad Temperaturanstieg können ausreichen, um zuvor unkritische Anlagen in einen problematischen Betriebszustand zu bringen.
5. Unzureichende Belüftung
In vielen Pumpwerken sammeln sich Gase unter der Decke oder in schlecht belüfteten Bereichen.
Fehlende oder falsch dimensionierte Be- und Entlüftungssysteme können dazu führen, dass sich Schwefelwasserstoff in hoher Konzentration ansammelt.
Neben der Geruchsbelastung entstehen dadurch auch erhebliche Gefahren für Beschäftigte.
6. Betriebsweise des Pumpwerks
Auch die Betriebsstrategie beeinflusst die Geruchsentwicklung.
Beispiele sind:
Oft lassen sich bereits durch eine Optimierung der Betriebsparameter deutliche Verbesserungen erzielen.
Geruchsprobleme sind häufig nur das sichtbare Symptom
Gerüche entstehen selten isoliert. Sie weisen häufig auf grundlegende Probleme im gesamten Abwasserfördersystem hin.
Dazu gehören unter anderem:
Wer lediglich Geruchsfilter installiert, behandelt oft nur die Auswirkungen – nicht jedoch die eigentliche Ursache.
Warum eine Ursachenanalyse entscheidend ist
In der Praxis gibt es keine Standardlösung für Geruchsprobleme. Jedes Pumpwerk besitzt unterschiedliche hydraulische, biologische und betriebliche Randbedingungen. Deshalb sollte jede Maßnahme auf einer systematischen Analyse basieren.
Dazu gehören beispielsweise:
Erst wenn die tatsächlichen Ursachen bekannt sind, lassen sich wirtschaftlich sinnvolle Maßnahmen ableiten.
Meine Erfahrung aus über 35 Jahren Praxis
In zahlreichen Projekten zeigt sich immer wieder, dass Geruchsprobleme häufig auf eine Kombination mehrerer Ursachen zurückzuführen sind.
Oft reichen bereits vergleichsweise einfache betriebliche oder hydraulische Optimierungen aus, um die Geruchsbelastung deutlich zu reduzieren – ganz ohne kostenintensive Umbauten.
Eine unabhängige Analyse schafft Transparenz und hilft dabei, gezielt in wirksame Maßnahmen zu investieren.
Fazit
Geruchsprobleme in Pumpwerken entstehen nicht zufällig. Sie sind meist die Folge ungünstiger hydraulischer, biologischer und betrieblicher Bedingungen innerhalb des Abwasserfördersystems.
Wer die Ursachen erkennt und gezielt beseitigt, reduziert nicht nur Gerüche, sondern schützt gleichzeitig Bauwerke vor biogener Korrosion, verbessert die Betriebssicherheit und senkt langfristig die Betriebs- und Instandhaltungskosten.
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